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Wenn alle untreu werden

„Wenn alle untreu werden" ist ein deutsches Volks- und Studentenlied, das auf einem politischen Gedicht von Max von Schenkendorf aus dem Jahr 1814 basiert. Die Eröffnungszeile lautet: „Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu" („If all become unfaithful, we remain loyal").

Entstehung und Hintergrund

Das Gedicht entstand im Juni 1814 und war ursprünglich mit „Erneuter Schwur, an den Jahn, vonwegen des heiligen teutschen Reiches" überschrieben. Schenkendorf widmete es dem „Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn und drückte darin die enttäuschte Hoffnung auf ein geeintes Deutschland nach den Befreiungskriegen (1813/14) und dem Ersten Pariser Frieden aus.

Das Gedicht ist eine Kontrafaktur des geistlichen Liedes von Novalis (gedruckt 1802), das mit dem gleichen Vers beginnt, sich jedoch an Christus wendet: „Wenn alle untreu werden, so bleib ich Dir doch treu."

Textentwicklung

  • Schenkendorfs Original (1814): In der Ich-Form verfasst, individuelles Treuebekenntnis.
  • Bearbeitung durch Adolf Ludwig Follen (1819): Umgestaltung von der Ich-Form zum kollektiven „Wir", wodurch aus einem persönlichen Bekenntnis ein Gruppenappell wurde.
  • Spätere Fassungen: Die letzte Zeile variiert zwischen „von Kaiser und von Reich" (Original), „vom heil'gen deutschen Reich" (seit dem 19. Jahrhundert verbreitet) und „von unserm Österreich" (im ÖCV).

Melodie

Im 19. Jahrhundert wurde eine Melodie übernommen, die auf das französische Jagdlied „Pour aller à la chasse faut être matineux" (1724) zurückgeht. 1923 unterlegte Walther Hensel den Text mit einer der niederländischen Nationalhymne (Wilhelmus) entlehnten Weise.

Rezeption und historische Verwendung

  • 19. Jahrhundert: Das Lied wurde zu einem Kampflied des deutschen Nationalismus.
  • Theodor Herzl (1896): Empfahl es als Lied der jüdischen Nation.
  • Nationalsozialismus: Die Schutzstaffel (SS) verwendete das Lied in abgewandelter Form als „Treuelied" (ohne die 3. Strophe). Im SS-Liederbuch stand es an dritter Stelle nach dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied. Der Wahlspruch „Meine Ehre heißt Treue" spiegelt die Überhöhung der Treue als wichtigste Tugend wider.
  • Katholische Jugendverbände: Während der NS-Zeit blieb das Lied (inklusive der 3. Strophe) in Gebrauch, wobei der Text auf Gott hin ausgelegt wurde.
  • Nachkriegszeit: Die HIAG (Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS) nutzte das Lied intern und öffentlich weiter.

Vollständiger Text (Schenkendorfs Original von 1814)

Wenn alle untreu werden,
So bleib ich euch doch treu,
Daß immer noch auf Erden
Für euch ein Streiter sey.
Gefährten meiner Jugend,
Ihr Bilder beß'rer Zeit,
Die mich zu Männertugend
Und Liebestod geweiht.

Wollt nimmer von mir weichen,
Mir immer nahe seyn,
Treu wie die deutschen Eichen,
Wie Mond- und Sonnenschein.
Einst wird es wieder helle
In aller Brüder Sinn,
Sie kehren zu der Quelle
In Lieb' und Reue hin.

Es haben wohl gerungen
Die Helden dieser Frist,
Und nun der Sieg gelungen
Uebt Satan neue List.
Doch wie sich auch gestalten
Im Leben mag die Zeit,
Du sollst mir nicht veralten,
O Traum der Herrlichkeit.

Ihr Sterne seyd mir Zeugen
Die ruhig niederschau'n,
Wenn alle Brüder schweigen
Und falschen Götzen trau'n;
Ich will mein Wort nicht brechen
Und Buben werden gleich,
Will predigen und sprechen
Von Kaiser und von Reich.

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